{"id":130,"date":"2015-10-17T16:09:20","date_gmt":"2015-10-17T14:09:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giannimaran.it\/?page_id=130"},"modified":"2016-11-15T22:08:32","modified_gmt":"2016-11-15T21:08:32","slug":"licio-damiani","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/paolo-maurensig\/licio-damiani\/","title":{"rendered":"(Italiano) Licio Damiani"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>N\u00e4chtens am Maran-Platz des alten Grado. Die Fassaden der alten H\u00e4user drapiert mit riesigen Str\u00e4uchern bl\u00fchender Oleander, au\u00dfenseitige Steinstiegen und gr\u00fcne Fensterbalken.<\/p>\n<p>Der Platz f\u00fchrt in die gleichnamige Gasse, die durch das Licht einer alten Laterne erhellt wird. Es gleicht einer alten Theaterszene, in der von Biagio Marin Verse erklingen, mit welchem den K\u00fcnstler Gianni Maran eine Beziehung der besonderen Hochachtung verbindet. <em>Mio favel\u00e2 graisan \/ che senpre in cuor\u00a0 me sona,\u00a0 \/ fior in boca a gno mare, music\u00e0o da gno nona \/\/ tu tu me porti el vento \/ che passa pel pal\u00f9o, \/ che \u2018l sa de nalbe rosa \/ e p\u00fao de fango n\u00fao. \/\/ E tu me porti inc\u00f2ra \/ siroco largo in svolo, \/ e corcali a bandiera \/ com\u00f2 i fior del gno brolo. Genie\u00dfen wir die frische Brise des Abends vor der Gradeser Kunstgalerie sitzend. <\/em><em>Giannis kahler Sch\u00e4del gl\u00e4nzt wie der Kopf von Yul Brynner\u00a0 mit Schnurb\u00e4rtchen wie Pfeffer und Salz und Spitzbart, der das bekannte Bild von Lenin verblassen l\u00e4\u00dft.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Spuren von Maran gehen zur\u00fcck auf die letzten Feuer, als das r\u00f6mische Aquileia von Attila zerst\u00f6rt wurde und viele Einwohner Aquileias auf der menschenleeren und bewaldeten Insel Zuflucht fanden.<\/em><\/p>\n<p><em>Aus diesem Grund sind Platz und Gassen im historischen Kern der Stadt im Andenken an die antike Gr\u00f6sse und Nobilit\u00e4t benannt.<\/em><\/p>\n<p><em>Der au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichtserz\u00e4hler Gianni Maran schafft es, im Zuh\u00f6rer verborgene Elemente der Phantasie auftauchen zu lassen.<\/em><\/p>\n<p><em>So scheint sich im Echo seiner Worte ein kolossales Gem\u00e4lde von Domenico Someda zu realisieren mit T\u00f6nen und Kl\u00e4ngen opernhafter Instrumentierung \u201cDer Einfall der Hunnen\u201d.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein kolossaler Film in Cinemaskop \u2013 so sagen wir heute \u2013 obwohl er von einem der schrecklichsten Invasionen inspiriert ist, die Friaul im 10 Jhd. erlitt, k\u00f6nnte auch die einfallenden Scharen der Hunnen in die alte Stadt Aussa darstellen: mit st\u00fcrmenden Pferden und finsteren Kriegern unter bleiernen Himmel, mit d\u00fcsteren L\u00e4ndern und Steppen und Echo der in Brand gesteckten Stadt, wo der Chor aus der Ouvert\u00fcre von Verdi\u2019s \u201cAttila\u201d wiederhallt. \u201cSchreie, Raub, Klagen, Blut Sch\u00e4ndungen, Verderben, Gemetzel und Feuer\u201d. <\/em><\/p>\n<p><em>Das ist das Spiel von Attila. Oder es ert\u00f6nt die Stimme des Grafen in Versen des Schiffes von d\u2019 Annunzio \u201cWende! Vorw\u00e4rts, vorw\u00e4rts, wende. Mit der Hilfe unseres Herrn Jesus Christus und dem heiligen Ermagora\u201d.<\/em><\/p>\n<p><em>Es tauchen die verschiedenen Betrachtungen des Griechen Elia, des Erbauers der Basilika von Santa Eufemia in der Dichtung des Titus Maniacco Patriarch im Nebel auf.<\/em><\/p>\n<p><em>Gianni\u00a0 erz\u00e4hlt von seinem Vater, der Fischer war und wollte, da\u00df der Sohn sein Boot \u00fcbernimmt und den alten Beruf der Familie fortf\u00fchrt und wie er dies seinem Vater\u00a0 abschl\u00e4gt, indem er sagt: \u201c Ich will K\u00fcnstler werden&#8220; und der Vater darauf trocken bemerkte:\u00a0 \u201dIch habe noch nie in der Stellenangeboten der Zeitung gelesen: \u201cK\u00fcnstler gesucht\u201d. Aber am Ende gewann Gianni. Die Zeit einer nach Erfahrung gierigen Jugend, die Zusammenarbeit am Piccolo Teatro Triest mit dem B\u00fchnenbildner\u00a0 Sergio D\u2019 Osmo und dem Regisseur Francesco Macedonio, die Auff\u00fchrungen der Schauspieler am Piccolo Teatro Grado und die Zeit als Stranddirektor bis zur Entscheidung alles aufzugeben und nur noch als Maler t\u00e4tig zu sein, das war sein wahrer Weg. So ergab sich das anschauliche Erz\u00e4hlen vom Meer und seine Werke haben die Galerien in Wien und Berlin erobert und im Sommer wird die Galerie von Grado von Italienern und Kunden aus ganz Mitteleuropa frequentiert.<\/em><\/p>\n<p><em>In den Gem\u00e4lden auf Leinwand oder Holz schwimmen\u00a0 Fische wie Zeichen in einem Pentagramm mit flie\u00dfenden Bewegungen in den fl\u00fcssigen Bereichen Blau, Rot, Gr\u00fcn: \u201c<\/em>pesci votivi tutto guizzi\u201c um es mit einem Vers des neugriechischen Dichter Odysseus Elitis auszudr\u00fccken. Maran hat\u00a0 <em>\u038a<\/em><em>X\u0398<\/em><em>Y\u03a3<\/em><em> zu seiner pers\u00f6nlichen Note auserkoren.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>Der griechische Terminus verweist nicht nur auf das Agrosticon mit dem die ersten Christen Jesus Christus, Erl\u00f6ser und Sohn Gottes bezeichnet haben, sondern erinnert auch an das Meer voller Fische, durchpfl\u00fcgt von Schiffen unter dem klangvollen Blasen des Windes w\u00e4hrend der Reise des Telemach auf der Suche nach dem Vater in Homers Odyssee \u2026\u03ce\u03c1\u03c4<\/em><em>o d\u2019\u03ad\u03c0<\/em><em>\u00ec \u03bb<\/em><em>\u00ec<\/em><em>\u1ef5\u03cd\u03c2<\/em><em> \u03bf\u03cd\u03c1<\/em><em>o\u03c2<\/em><em> \u03b1\u03ae\u03bc\u03b5\u03bd\u03b1<\/em><em>i. ai d\u03ad<\/em><em> \u03bc<\/em><em>\u00e1\u03bb\u03c9\u03ba\u03b1<\/em><em> \/ \u03b5\u03c7\u03b8<\/em><em>u\u00f2\u03b5\u03bd\u03c4\u03b1<\/em><em> \u03ba\u03ad\u03bb\u03b5<\/em><em>u\u03b8\u03b1<\/em><em> di\u03ad<\/em><em>d\u03c1<\/em><em>a\u03bc<\/em><em>o\u03bd<\/em><em>\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Schon der K\u00fcnstler aus Pordenone Massimo Poldemengo hatte das Thema mit den Fischen behandelt, allerdings als \u201clogo\u201d poetisch, nur anspielend auf die primitiven christlichen Symbole, auf die Graffities in den Katakomben und somit mit stilisierter Schrift veraltete Bu\u00dfzeichen.<\/em><\/p>\n<p><em>Maran hingegen gibt eine festliche Bedeutung des Mysteriums. Der Fisch, der in dichten Schw\u00e4rmen auf der blauen Leinwand dahingleitet (um noch einmal istae xe blu Maran mit seinem Dichter Biagio Marin sprechen zu lassen) oder hellblau ist oder von der Sonne vergoldet oder violet und feuerot vom Sonnenuntergang oder gr\u00fcn von den Algen oder St\u00fcrmen dahingleitet, wird zum Symbol eines Lebens-Regenbogens, eines bilderreichen mitreissenden Abenteurs im weiten Scho\u00df des Meeres.<\/em><\/p>\n<p><em>Ohne Meer \u2013 schrieb Lorenzo Viscidi-Blauer \u201cohne seine Weite und sein Mysterium, ohne seine Farben und seine D\u00fcfte, ohne Wind, der vom Meer kommt und ohne die Geschichten der Fischer w\u00fcrde Maran niemals der sein, der er\u00a0 ist.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Ich h\u00f6rte den alten Mann des Meeres mit mir sprechen\u201d scheint der Gradeser K\u00fcnstler zu fl\u00fcstern mit einem anderen griechischen Dichter des Novecento \u2013 George Seferis \u2013 ich bin dein Land: \u201cniemand vielleicht, aber ich kann werden, was du willst\u201d.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Meer wird, wie Grado durch Biagio Marin, von Gianni Maran zum Modell des Universums auserw\u00e4hlt. Eine Totalit\u00e4t \u2013 bemerkte Pasolini \u00fcber den Dichter \u2013 die auch der Maler durch Subtraktion sch\u00f6pferisch erschafft, indem die Vielfalt der Welt reduziert wird auf wenige wesentliche Zeichen, auf reine und klare Farben und eine m\u00f6nchshafte Einfachheit der Figuren. Man denke nur an das Acrylgem\u00e4lde auf Holz \u201cDer Wirbel des Gl\u00fccks\u201d in welchem Schw\u00e4rme von Fischen, alle gleich wie Mosaike den Effekt eines gewundenen silbernen Drachenschweifs erziehlt, der auf der weiten Fl\u00e4che funkelt. Die wei\u00dfen Fische tanzen wirbelig in gro\u00dfen Kreisen und reisen in geordneten Reihen anders wohin. Das Mees inspiriert und ermuntert zu einer Reise.\u00a0 \u201cWenn du dich auf eine Reise nach Ithaka aufmachst, mu\u00dft du dir w\u00fcnschen, da\u00df der Weg lang ist und voller Abenteuer und Erfahrungen\u2026\u2026..\u201d. Kostantins Karafis ber\u00fcmtes Gedicht durch den Maler ins Bildhafte \u00fcbertragen in bunten B\u00e4ndern als gro\u00dfes Acrylgem\u00e4lde auf Holz mit wei\u00dfen Flecken wie Schaumtropfen, \u00fcberstrahlt von der vertikalen polychromen Lumeniszens wird dieses Werk das Leitmotiv zu den Reisen der Seele Giannis.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Reisen, die \u201cin die Tiefe des durchscheinenden Meeres f\u00fchren \u2013 um nochmals Marin zu zitieren &#8211; cape sante a costole arc\u00e0e \/ cape lisse color spale brun\u00e0e, \/ cape spinose biondura insolente<\/em>\u201d.<em>\u00a0 Die Gr\u00e4ten kr\u00fcmmen sich in B\u00f6gen in einer Art der heiteren Vitalit\u00e4t. <\/em><em>Und \u2013 um es nochmals mit dem Dichter zu sagen \u2013 auch wenn \u201cle xe \u2018ndae in frantumi \/ e pur xe inc\u00f2ra lumi \/ sora la sabia spenta e sita\u201d. <\/em><em>Ihre Entwicklung l\u00e4uft im Rhythmus krummliniger Vereinigungen ab, wie in den Bodenmosaiken des Patriarchen Elia die den Anschein einer welligen Bewegung erzeugen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Vitalit\u00e4t der Gr\u00e4ten, rauh und spitz, aber mit den K\u00f6pfen sprechend und die gro\u00df aufgerissenen und neugierigen\u00a0 Augen lassen uns an die archeologischen \u00dcberreste denken, die im Laufe der Jahre aus den unterirdischen Adern der Goldinsel zu Tage kamen, Reste die \u2013 wenn \u00fcberhaupt auf Fragmente reduziert, oder a frantumi um es in gradeser Dialekt zu sagen \u2013 eine faszinierende, r\u00e4tselhafte kommunikative Macht bewahren und zum Ausdruck bringen \u2013 wir k\u00f6nnen es als \u201cdie Seele der Zeit\u201d definieren.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie mimen geradezu die Abf\u00e4lle der dargestellten Bankette in den Bodenmosaiken, die auf die Erde fallen gelassen wurden von den Tischgenossen.\u00a0 Viele Sorten von Fischen und Weichtieren und ihre Stacheln, K\u00f6pfe und Geh\u00e4use, aber\u00a0 auch blo\u00dfe Knochen, K\u00f6pfe und F\u00fcsse von H\u00e4hnen und H\u00fchnern, entkernte Weintrauben, Melonenst\u00fccke, N\u00fcsse, \u00c4pfel, leere Schoten, Schalen, Str\u00fcnke von Gem\u00fcse, Schnittblumen, trockene Bl\u00e4tter, Weinrebsch\u00f6\u00dflinge, wie es ein Mosaik im archeologischen Museum von Aquileia darstellt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Fischgr\u00e4ten, Stimmen die noch f\u00e4hig sind zu fl\u00fcstern sind von Maran geschaffene Gem\u00e4lde. In Erinnerung kommen die Reste alter Lastk\u00e4hne, die in der Lagune im Schlamm gestrandet sind auf ihrer Fahrt von Grado nach Barbana, die Rippen der vermoderten Schiffsbeplankung \u201czerbrochenes Mastwerk \u2013 nochmals zitiert aus dem Gedicht von Seferis &#8211; <\/em>fluttuanti sbieche sul fondo, come tentacoli \/ o memorie di sogno, indicando lo scafo, \/ bocca opaca d\u2019un gran cetaceo morto \/ spenta nell\u2019acqua\u201d<em> von welchem sich allerdings Stimmen erheben, leises Fl\u00fcstern, gieriges S\u00e4useln auftauchend von der anderen Seite der Sonne aus der Finsternis. Und der \u201cK\u00f6rper des Sommers\u201d zerflie\u00dft in vertikalen Streifen blau und schwarz, wei\u00df, gelbgr\u00fcn, rot, t\u00fcrkis wie die Aufl\u00f6sung einer Vision. <\/em><em>Und im \u201cAuf Wiedersehen Bruder Meer\u201d zwischen horizontalen Streifen eingeflochten mit Farbe und Kursivschrift wird es wie eine von einem geheimen Tagebuch herausgerissene Seite erscheinen \u2013 die lyrischen Verse \u201c<\/em>mi porto un po\u2019 della tua ghiaia \/ un po\u2019 del tuo sale azzurro \/ un po\u2019 della tua infinit\u00e0 e un pochino della tua luce e della tua infelicit\u00e0 \/ Ci hai saputo dir molte cose \/ sul tuo destino di mare \/\u00a0 eccoci con un po\u2019 pi\u00f9 di speranza \/ eccoci con un po\u2019 pi\u00f9 di saggezza \/ e ce ne andiamo come siamo venuti \/ arrivederci fratello mare\u201d. Und Fische in Keramik und blauem Email entsteigen der Leinwand, nehmen Gestalt und Plastizit\u00e4t an und schw\u00e4rmen\u00a0 in den realen Raum hinein.<\/p>\n<p>Periodisch widmet sich Maran auch der Bildhauerei und es sind wieder die Meeresmythen, welche die weiblichen Figuren in Keramik und dunklem\u00a0 Email inspirieren, l\u00e4nglich, gewunden und elegant wie Mannequins in der Serie mit dem Titel Vanit\u00e0 (Eitelkeit) und die fadenf\u00f6rmigen zweideutigen \u201cAgane\u201d in Keramik, Bronze und Email gelb gesprenkelt und Kobaltblau, die wie Produktionen der Glasbl\u00e4sereien von Murano aussehen. Und weiters die &#8222;Bagnante&#8220; mit Hut und langem ausgeschnittenem Kleid und der \u201cPoseidon\u201d der auftaucht golden angestrahlt\u00a0 mit blau abflie\u00dfenden Wasser bis zur G\u00fcrtellinie. Weiters \u201cdie G\u00f6ttin des Meeres\u201d, und die \u201cG\u00f6ttin des Windes\u201d, die sich selbst\u00a0 aufzul\u00f6sen scheint und \u201cder Bacchus\u201d in Keramik, milchigem Email mit einem um den Kopf gewickelten goldenen Schal, der \u00fcber den Nacken und Brust herunterh\u00e4ngt, der in raffinierter Weise Zeitgen\u00f6ssisches und Erinnerung an das weit zur\u00fcckliegende klassiche Zeitalter verkn\u00fcpft. Die Keramik des \u201cMars\u201d ist \u00fcberzogen von einer Glasur in antiker Nu\u00dffarbe . Der \u201cKrieger\u201d in rot, golden, blau erinnert an Maya- oder Azteken- Abg\u00f6tter.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte fast denken, da\u00df die polychrome Ansammlung der Fische in unbewu\u00dfter Weise zu antiken Gradeser Traditionen hinf\u00fchrt, zu den eindringlichen Rhythmen der Volkslieder, die bei religi\u00f6sen Zeremonien gesungen werden und zu dem Geruch der Basilika verbergend geheimnisvolle Berichte mit der orgiastischen Z\u00fcgellosigkeit des sabo grando der vorrausgeht, unter Ges\u00e4ngen und fr\u00f6hlichen Zechereien, der Sonntag del Perdon, des S\u00fcndenablasses w\u00e4hrend die Statue der Madonna in einer Schiffsprozession gef\u00fchrt wird, die Barken geschm\u00fcckt mit Hortensien, Bannern und leuchtenden gro\u00dfen Flaggen auf den Fischerbooten bis zur Wallfahrtskirche von Barbana und unter dem Gr\u00fcn der B\u00e4ume\u00a0 verehrt wird durch die heilige Messe. Eine Begegnung zwischen der Jungfrau und dem Meer, die vielleicht zur\u00fcckgeht auf heidnische Wurzeln.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir vergessen die Prozession entlang des Lido mit den in die Mysterien Eingeweihten, mit dem Bildnis der Isis, geschm\u00fcckt mit einer Rosenkrone, wie \u00a0von Apuleios erz\u00e4hlt in seinem Buch \u201cDie Metamorphosen\u201d.\u00a0 \u201cOh K\u00f6nigin des Himmels , Sch\u00f6pferin aller Feldertr\u00e4ge\u201d. So beginnt das Gebet des Lucius, der\u00a0 Hauptperson des Romans, der in einen goldenen Esel\u00a0 verwandelt worden war. Die Nabelschnur, die Gianni Maran und Grado verbindet, findet eine weitere dichterische Best\u00e4tigung in dem Kurzfilm \u201cAla de Vita\u201d, von ihm geschrieben und inszeniert und produziert von Arte Video di Palmanova. Der Film artikuliert sich durch Nahaufnahmen und besonders inspiriert von Biagio Marin. Faltige H\u00e4nde von Fischern und alten Frauen sind Protagonisten. Da gibt es weiter H\u00e4nde eines Tischlers, der\u00a0 in der Werft die Bretter s\u00e4gt f\u00fcr die Planken eines im Bau befindlichen Schiffes, die H\u00e4nde eines\u00a0 Kalfaterers, der mit Werg die Spalten zwischen den Planken des Schiffsrumpfes zustopft und mit Teer bestreicht, um sie wasserdicht zu machen. H\u00e4nde, die Brot brechen, Wein in Gl\u00e4ser einschenken, Fischernetze flicken, Schilf f\u00fcr die Casonis in der Lagune \u00a0b\u00fcndeln, H\u00e4nde, die rudern, die Ausbeute des Fischfangs in Weidenk\u00f6rbe sammeln, die Fische schuppen, die Fische ausnehmen und putzen. Frauenh\u00e4nde, die brodetto, die ber\u00fchmte Gradeser Fischsuppe zubereiten, die Polenta kochen und auf ein Holzbrett st\u00fcrzen, H\u00e4nde, die den Kopf eines Kindes streicheln, die Pullover stricken; J\u00e4gerh\u00e4nde auf hemingwayischer Treibjagd auf Wasserh\u00fchner in der Lagune, H\u00e4nde des Priesters, der Weihrauch in den Weihrauchkessel einf\u00fcllt, den Kelch auf den Altar positioniert und das Messgewand f\u00fcr die Messfeier anzieht (<em>Me amo la to ciesa grande Elia \/ pel so silensio e per la so frescura; \/ <\/em>\u00a0<em>l\u00e0 drento quele mura \/ colone ed archi dilata l\u2019unbr\u00eca<\/em>).<\/p>\n<p>Es gibt keine Gesichter, weder aus Bildausschnitten noch auf Aufnahmen im Gegenlicht, die zu erkennen w\u00e4ren.\u00a0 \u00a0Das Wesen der Menschen offenbart sich in den Objekten und in der Aura der \u00d6rtlichkeiten.<\/p>\n<p>Die intensive und einpr\u00e4gsame Ausdruckskraft der Photographie in Schwarz-Wei\u00df von Nino Gaddi scheinen geradezu die Ger\u00fcche des Holzes und des Teers in der Werft und die D\u00fcfte der k\u00e4rglichen aber wohlschmeckenden Speisen, des Weirauches in der Kirche und des Salzgehaltes in der Luft ausstr\u00f6men zu lassen.<\/p>\n<p>Der rote Faden zwischen verschiedenen Episoden des Kurzfilms besteht aus einer M\u00f6we, die den Sandstrand \u00fcberfliegt, aus den Wogen des Gew\u00e4ssers in der Lagune, der Insel Barbana und den kleineren Inselchen und dem historischen Zentrum von Grado. <em>\u201cBocon amaro cond\u00eco de sal \/ tolto dal mar al fondo \/ tra sighi lamentosi d\u2019un cocal\u2026\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; N\u00e4chtens am Maran-Platz des alten Grado. Die Fassaden der alten H\u00e4user drapiert mit riesigen Str\u00e4uchern bl\u00fchender Oleander, au\u00dfenseitige Steinstiegen und gr\u00fcne Fensterbalken. Der Platz f\u00fchrt in die gleichnamige Gasse, die durch das Licht einer alten Laterne erhellt wird. Es gleicht einer alten Theaterszene, in der von Biagio Marin Verse erklingen, mit welchem den K\u00fcnstler &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/paolo-maurensig\/licio-damiani\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":14,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["entry","page","publish","author-gianni","post-130"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=130"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/130\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":159,"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/130\/revisions\/159"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.giannimaran.it\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}